2 Spieltage WM 2010 sind Geschichte und schon ist die Welt genervt…
Dass Vuvuzelas nerven, hat man zwar schon vor einem Jahr beim Confed Cup herausgefunden, aber kaum wurden im Dunstkreis von Bach und Beethoven die ersten 90minütigen dissonanten Klangteppiche im Fernsehen ausgelegt, klagt das verwöhnte mitteleuropäische Ohr über chronische Schmerzen. ZDF und ARD sind alamiert: neueste Techniken sollen die afrikanischen Klänge einfach ausradieren – währenddessen werden die Zeitungshetzen immer aggressiver.
Vuvuzelas sind laut, im Klang eher unschön, stören die Konzentration der Spieler, übertönen Fangesänge und andere Stadionklänge, die man eben so gewohnt ist, reißen im trockenem südafrikanischen Winter die Lippen auf und sorgen bei ausgiebigem Konsum für fiese Kopfschmerzen. Was von diesen Punkten die vor 2 Tagen ins Land gekommenen schimpfenden Journalisten davon schon selbst erfahren oder beurteilen können, sei dahingestellt. Aber laut sind auch andere Instrumente, Dissonanz ist seit einem Jahrhundert der letzte Schrei und die Spieler werden sich schon daran gewöhnen. Die englischen Fangesänge werden wir früh genug wieder genießen können und wenn der südafrikanische Fangesang Shosholoza angestimmt wird, stecken alle ordentlichen Menschen ihre Tröten weg. Für aufgerissene Lippen wurde bebe-Creme erfunden und gegen Kopfschmerzen gibt es immer noch Aspirin, aber diese Leiden tangieren den leidenden deutschen Fernsehzuschauer ja nicht mal.
Vuvuzelas sind das wahre Maskottchen dieser WM, sie machen eine tolle Stimmung und lassen schon im Stau zum Stadion die Party steigen. Sie lassen einen über Kilometer wissen, wenn irgendwo gerade irgendwas passiert und sie sind vor allem eins: südafrikanische. Diese WM ist nicht in Wien. Basta.
Nun aber zu wirklich relevanten Themen: Tshabalala!!! Was für ein Tor.
Um Punkt 2 gingen wir am Freitag mit übrig gebliebenen Kindern in die Aula der Schule und hockten uns auf Matratzen vor die Leinewand des schuleigenen Public Viewings. Am Vormittag hatten fand auf dem Basketballfeld die offizielle Generalprobe für das Eröffnungspiel statt: Wir spielten mit den Kindern Südafrika-Mexiko mit dem Endstand 0:17 und 2 verletzten südafrikanischen Torwärtern. Die erste Halbzeit des echten Spiels zitterten die rund 500 Gäste tatsächlich mit der südafrikanischen Abwehr, doch kein Ball kam an Kuhne, dem besten Mann von Bafana Bafana an diesem Tag vorbei. Dann hatte Südafrika noch ein bisschen Glück und so retteten sie das 0:0 in Halbzeit. Mittlerweile waren wir kinderlos und konnten die Leistungssteigerung der Südafrikaner in vollen Zügen genießen. Dann kam die 55. Minute: ein langer Ball auf Tshabalala, der rennt und rennt und BAM – so ein Tor schießt man nur mit 90.000 Vuvuzelas im Rücken! Alle flippten total aus – 5 Minuten später kam dann auch die 5jährige Elli zu ihrer Mama und uns gerannt und schrie mich an: Die Guten haben ein Tor geschossen! Erst beim Ausgleich von Mexiko beruhigte sich der Saal wieder…
Als wir abends in einer Kneipe in Melville saßen –Ruben, Robin, Merlin und ich im gelben Bafana Bafana Einheitslook und Ivanna (die einzige Nicht-Deutsche) mit übergestreiften Deutschlandtrikot – und mit einem halben Auge das Spiel Frankreich-Uruguay verfolgten, wurde Ivanna (die einzige, die bei diesem Spiel parteiisch war) dazu aufgefordert, für ein sauberes Null-Null zu sein. Für uns 4 Südafrikaner war dieser Wunsch, der tatsächlich in Erfüllung ging, ja eh eine klare Sache. Damit ist Südafrika schon praktisch im AchtelfinaleJ
Am Samstag brachte Merlin erst Ivanna zum Stadion (die Glückliche wird alle 3 Vorrundenspiele von Argentinien sehen) und fuhren dann selbst zum Public Viewing nach Sandton, wo man in entspannter Atmosphäre auf der Wiese die Spiele schauen, bzw. die wenig entspannten Fans beobachten kann. Der Nigerianer vor uns hatte offenbar Sprungfedern in den Schuhen und die Argentinier neben ihm schrien jedes Mal auf, wenn Messi am Ball war – dummerweise machte der sein bestes Spiel im Nationaldress. Weil’s so schön war werden wir uns auch heute die Partien in Sandton anschauen: erstmal gibt’s da oben viele Deutsche und dann ist es wirklich toll, sich eine Boereworst von rund 25 Boereworstständen raussuchen zu können: Beim Essen sind die Südafrikaner leider nicht sonderlich kreativ…
Juni 13, 2010 um 1:10 pm |
Du schaffst es doch tatsächlich, dass Fussball selbst mir Spass macht!
Liebe Grüße an deine Mitstreiter:
Ivanna, Merlin, Robin, ganz besonders Betty und alle Aftercare-Schützlinge!