Ke Yona – Feel it, it is here!!!

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Schlange stehen im Ticketing Center

Johannesburg ist eine Großbaustelle – nach wie vor und bis in alle Ewigkeit. 

Ansonsten hat sich hier bezüglich emotionaler und fachkenntlicher WM-Vorbereitung eine Menge in getan – vor allem bei mir: Eine kleine Chronik der letzten Wochen: 

24.05. 20:15: Wir sitzen seit 90 min im Auto auf dem Weg zum Orlando Stadium, wo in einer viertel Stunde Bafana Bafana gegen Bulgarien auflaufen soll. Unter normalen Umständen hätte uns die Strecke höchstens 20 min gekostet; aber was ist schon noch normal, wenn der Weltcup zum ersten Mal nach Afrika kommt… Der potenzielle WM Besucher sollte also gegebenenfalls einkalkulieren, dass in Johannesburg an jedem gewöhnlichen Wochentag von 5-7 Uhr vor allem Richtung Soweto und Innenstadt (wo sich zufälligerweise die Stadien Soccer City und Ellis Park befinden) sämtliche Verkehrswege verstopft sind und etliche Straßen zu den Stadien aufgrund von Bauarbeiten gesperrt sind. Gutes Timing…  

 

 

Sie sehen: Die einzigen Weißen im Orlando Stadium - also fast

Doch kein Grund zum Verdruss – pünktlich zur 2. Strophe der Nationalhymne stecken wir unsere Köpfe ins Fast-WM-Stadion von Soweto und ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen noch ein kräftiges ‚Morena boloka sejaba sa heso […] and united we shall stand (ab jetzt Stimmvolumen um 300 Prozent steigern) IN SOUTH AFRICA OUR LAND!’ mitzuträllern. Einfach geilJ Südafrika spielt ein munteres 1:1 gegen die erlesene Truppe aus Bulgarien und für mich bleiben als Andenken ein Dienstag voller Kopfschmerzen. Noch ein Tipp für den WM Besucher: Vuvuzelas sind laut; laut genug alle anderen Geräusche im Stadion zu übertönen, ob nun Fängesänge, Trommeln oder Alphörner, und laut genug, um eine große Packung Oropax zu rechtfertigen. 

Verkehrschaos auf dem Weg nach Soccer City

Verkehrschaos auf dem Weg nach Soccer City

27.05. 20:15: Wir rennen seit 30 min zum Soccer City Stadium; da es trotz spontaner Belagerung sämtlicher Gegenspuren (aus 2 mach 5 bis 6; je nachdem wie breit die Autos ist) keine, also gar keine Veränderung unserer Position gab, entschieden wir uns spontan auf der Wiese nahe einer Tankstelle zu parken und die restlichen 3-5 km zum Stadion zu laufen. Für Betty, die mithilfe wochenlanger Überredungskunst mitgeschleift wurde, war das eine von Grund auf neue Lebenserfahrung. Ein Südafrikaner läuft nicht: der Weiße joggt vielleicht ab und zu durch die Hügel von Westcliff und der Schwarze fährt Minitaxi bis vor die Haustür. 

Doch alle Mühe wurde mit einem einzigen Blick in dieses irre Stadion belohnt. 90.000 Menschen schauten sich unsere Jungs gegen Kolumbien an. Wir waren dieses Mal sogar vor der Nationalhymne auf unseren Plätzen, so dass ich voller Inbrunst in Merlins Videokamera hinein brüllen konnte: ‚Nkosi sikeleli Afrika … usw. … IN SOUTH AFRICA OUR LAND!’ So ein SpaßJ Das Spiel endete 2:1 für Südafrika, alle 3 Tore fielen durch Elfmeter, der Schiri war taub-stumm-blind (vielleicht lag’s ja an den Vuvuzelas) und das Match steht vermutlich auf der Nominierten Liste für das schlechteste Spiel des Jahres. Aber das ist egal, denn die Menschen haben gefeiert: Bafana Bafana, die Erfindung Vuvuzela (wer sich’s immer noch nicht merken kann: einfach ganz schnell Uwe Seeler sagen, kommt auf’s selbe raus) und vor allem, und das ist ja auch das Wichtigste, sich selbst. Unite, Mzansi, Unite – Vereinige dich, Süden!!! Und endlich ist auch Betty fussballbegeistert! 

29.05. 16:00: Im Bierzelt des Basars der deutschen Schule legt die Band, die bis dahin den höchst authentischen Oktoberfestcharakter unterstrichen hat, eine neue Platte auf. Auf einmal erklingt im Schunkeltakt die südafrikanische Nationalhymne – und alle, d.h. betrunkene weiße Mittzwanziger, betrunkene indische Familien und betrunkene schwarze Schulangestellten grölen mit. Unite Mzansi Unite! 

(Zwischenmeldung 30.05. 0:00 – Lena hat auch im Facebook Liveticker gewonnen: jetzt steht dem deutschen WM Sieg ja nichts mehr im Wege) 

04.06. 11:00 Auch bei der Schulassembly am letzten Schultag vor den sechswöchigen Winterferien ist das WM Fieber angekommen. Zu Waka Waka, Waving Flag und Make the Circle bigger performen Klassen und Sportgruppen. Merlin hat die WM Songs bereits in Dauerschleife auf CD gebrannt und mein Lernprozess hat schon große Fortschritte gemacht: ‚When I get older, I will be stronger, they call me Freedom, just like a waving flag…’ Da wird Südafrika ins Herz getroffen. 

05.06. 10:00 Wir machen uns auf die Socken zum Trikotkauf. Für den geplanten Preis von einem Trikot springt am Ende ein original Deutschland Trikot und ein super gefälschtes Südafrika Trikot raus. Gelobt seien Ivanas ‚Kontakte’. Ich bin jetzt jedenfalls mit beiden Südafrika und einem Deutschland Jersey bestens gerüstet. Anschließend prüfen wir noch die Public Viewing Facilitäten von Newtown – Fazit: da geht was… 

Leider bekam der Verehrte mein Kunstwerk nie zu sehen. Ansonsten würde Ivanna heute schon Messi mit Nachnamen heißen

06.06. 12:00 Nachdem wir zum gefühlt 100. Mal in Ticketing Center in Sandton nach verfürgbaren Ticktes gefragt haben, immer noch nicht unsere reservierten Karten für das Deutschland-Ghana Spiel abholen konnten, alle (die WG Besetzung plus Isabell von der Konrad Adenauer Stiftung und Ivannas indische Freundin Sharyl plus Robin) in Robins Kleinbus gestiegen und wieder ausgestiegen waren, um den Kirchen-Hund einzufangen, fuhren wir nach Pretoria. Ziel war das öffentliche Training von Argentinien; Ivanna hatte uns auf äußerst mysteriöse Listen gesetzt und ich hatte ein Schild gebastelt: ‚Lionel, Te amamos, Ivanna y los alemanes’, welches im Optimalfall noch am selben Abend zur Hochzeit von Messi und Ivanna führen sollte. 

Am Ende gab's noch Trikottausch: Das nenn' ich mal echte WM-Stimmung. Aber um's argentinische Team schein es ja schlecht zu stehen, wenn die Fans ihre Trikots lieber gegen eines von Bafana Bafana eintauschen...

Am Ende gab's noch Trikottausch: Das nenn' ich mal echte WM-Stimmung. Aber um's argentinische Team schein es ja schlecht zu stehen, wenn die Fans ihre Trikots lieber gegen eines von Bafana Bafana eintauschen...

Leider hatte sich Herr Maradonna kurzfristig für ein Miniatur Stadion entschieden, das 20% der geplanten Besucher zuließ. Da half keine Liste, sondern nur geschicktes Verhandeln. Den Torwächtern schien es regelrecht Freude zu bereiten, den Moment abzupassen, wenn die dicken, weißen Bosse nicht hinschauten und einen Schwung Messi-Fans Eintritt zu gewähren. Dabei gingen sie nach eigenen Angaben das Risiko ein, gefeuert zu werden: Südafrika hat einfach HumorJ 

 
Leider verloren wir in dem Durcheinander unsere Gefährten und so sahen letztendlich nur Robin, Merlin und Ich den kleinen Lionel, Demicheles und Co und Messi sein Schild nicht. Ivanna kam dann trotzdem noch irgendwie ins argentinische Fernsehen und der Abend war gerettet.

   

 
Ein herzlicher Empfang für die deutschen Bubis

Ein herzlicher Empfang für die deutschen Bubis

07.06. 14:00 Den ersten Vormittag von 6 langen Wochen Holiday Care hinter uns gebracht, stiegen wir in den DSJ-Bus nach Pretoria West, wo die eine müde gutgelaunte deutsche Mannschaft ihr öffentliches Ankunftstraining absolvierte. Leider konnte ich kein Autogramm von Phillip Lahm ergattern und auch das scheißnasse Trainingstrickot Herrn Schweinsteiger glitt mir durch die Hände. Aber das tat der meiner Begeisterung keinen Abbruch die zukünftigen Weltmeister aus nächster Nähe zu bebachten. 

10.06. 20:00 Hier sitz ich jetzt also und schreibe; müde von einer anstrengenden ersten Ferienwoche, ein bisschen deprimiert, weil ich morgen Geburtstag habe und mir das aus irgendeinem Grund nicht so richtig gefallen mag, und voller Angst, dass Conny ihre Drohung wahr macht. Die Eröffnungszeremonie werden wir wohl in jedem Fall mit den Kindern beim schuleigenen Public Viewing sehen, aber ‚wenn die Kinder bei dem Spiel zu unruhig werden, gehen wir hoch’ … Ich hatte noch nie einen so schlimmen Alptraum.  

Holidaycare: 30 kleine Weltmeister sind schonmal gekürt

   

Aber letztendlich wird mir immer stärker bewusst, was für ein großartiges Ereignis ich hier miterleben darf. Abgesehen vom deutschen WM-Sieg, auf den ich mich natürlich schon sehr freue, ist es vor allem die unglaubliche Begeisterung der Menschen, die Bedeutungsfülle, die die WM für dieses Land abstrahlt. Das lässt sich weder in Worte, noch in Zahlen fassen; auch nicht in die des südafrikanischen Fernseh-Giganten SABC: 64 Games, 32 Nations, 11 Languages, 3 Channels. Abgesehen davon hat diese WM für mich einen großen Vorzug gegenüber 2006: Ich kann ZWEI Teams mit Leib, Seele und Vuvuzela anfeuern: Wenn Deutschland irgendwann gegen Bafana Bafana spielen sollte (was zum Glück ziemlich unwahrscheinlich ist), wüsste ich nicht für wen ich wäre…   

So geht das mit dem Unite Mzansi UniteJ

Eine Antwort zu „Ke Yona – Feel it, it is here!!!“

  1. Uta sagt:

    Meine Gute,
    sei nicht so deprimiert, denn wo und wann wird denn ein 20.Geburtstag so ausgibig gefeiert. Also alles, alles Liebe und Gute!

    Mutti

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