Ngifuna isiZulu. – Ich lerne Zulu.
Angiwuthi isiZulu. – Ich spreche kein Zulu.
… ein Moment: meine Kenntnisse sind noch nicht ganz erschöpft…
Bafana Bafana badlala ibola kabolile. – Bafana Bafana spielt schlecht Fussball.
Ngibonile izindlovunye futhi ngicabanga iJohannesburg limbi. – Ich habe viele Elefanten gesehen und ich denke, Johannesburg ist hässlich.
So. Hiermit habe ich euch mein gesamten Zulu Vokabular zu Füßen gelegt. Moment einer geht noch:
iGermany lizophumeleli nge-Worlcup. – Deutschland wird die Weltmeisterschaft gewinnen.
Ok, das wär jetzt auch mit ausgeprägten Englisch Kenntnissen, aber so einfach ist das Futur der 3. Klasse gar nicht zu bilden!!!
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich seit 4 Wochen keine verbalen Ohrpfeifen von meiner Zululehrerin erhalten haben und der Abschluss des Beginners-Kurses auch schon wieder 2 Wochen her ist. Genug Zeit das an der Oberfläche gesammelte Wissen von dem Johannesburger Herbstregen wegschwemmen zu lassen. Es war auch wirklich eine große Belastung für mein eingeschläfertes GehirnJ Außerdem ist mit dem oben gesagten alles gesagt, was auch nur annähernd von Relevanz ist. Mehr braucht die Welt wirklich nicht zu wissen, gleich gar nicht auf Zulu!
Am 25. Februar hatte ich nach langem hin und her meine erste Stunde im Beginners-Kurs. Nach einer halben Stunde forderte die Lehrerin ihre 3 strebsamen Schüler dazu auf, sich vorstellen, drei Omas (gogo) zu sein und einen Dialog zu schreiben. Dummerweise meinten die anderen beiden nun mit ihren rudimentären Zulu-Kenntnissen prahlen zu müssen, wodurch mein innerer Protest gegen diese unmögliche Aufgabe im keim erstickt wurde. 20 Minuten später wurde über den Ehemann gelästert, dessen Ehefrau faul und über dies auch weiß war: “Heibo” (Exklamation des Erstaunens). Und ich war irgendwo bei “Sawubona” (Hallo) und “Unjani” (Wie geht’s) hängen geblieben. Irgendwann sehr viel später waren die 180 Minuten Silbenrauschen vorbei; die ersten Hausaufgaben versprachen weitere 360 Minuten übers Wochenende: Mich und meine Familie vorstellen (naja das wird sich sicherlich irgendwo auf den 30 Ausdrucken finden lassen) und meine Lieblingskleidung beschreiben (das stand definitiv auf keinem der Blätter). Ich nahm mir vor, bei erst bester Gelegenheit Betty zu konsultieren.
Da ich am Wochenende mit einer Horde schwarzer und indischer Frauen wandern war und diese mit großer Begeisterung mein Vokabeltraining unterstützten (wenn sich gerade nicht jammerten, wie unglaublich anstrengend wandern ist), fühlte ich mich bestens vorbereitet als ich am kommenden Dienstag die Sprachschule betrat. “Igama ubaba nguGregor” – “Liga” – “What” – “Igama liga ubaba nguGregor” – “oh, yes, of course” Ganz klar mein Fehler, hätt ich auch von allein drauf kommen können … What the fuck soll dieses liga??????
Es blieb noch eine lange Zeit die seltsame Eigenart unserer Lehrerin Silben und Worte in meine wohlüberlegten Satzfragmente einzubauen, ohne zu erklären, warum. Irgendwann erläuterte sie, dass wir noch dahin kommen würden. Für mich blieb es bis zuletzt ein Rätsel wie ich korrekte Sätze bilden sollte, ohne da zu sein. Da erschien mir als ein sehr mysteriöser unendlich ferner Ort. Also blieben meine Sätze weiter unkorrekt, irgendwann gewann ich das genervte Augenrollen unserer Lehrerin fast ein bisschen lieb und auch die Hausaufgaben blieben ähnlich abstrakt. Doch ob wir nun von Dienstag auf Donnerstag die gesamte Serie Shaka Zulu kaufen, anschauen und eine Folge übersetzen sollten oder in gleicher Zeitspanne ein Plakat über Zulu-Culture zu erstellen und ein 10minütiger Vortrag dazu auszuarbeiten war – das alles erreichte nicht jenen Schwierigkeitsgrad: “Stop two strangers and talk to them in Zulu” –What?!? Ich kann doch nicht einfach jemanden anquatschen. Die denken doch ich bin verrückt UND dumm und sagen mir bloß, dass ich aufpassen soll nicht überfallen zu werden. Und überhaupt, wer will schon mit einer Weißen, die kein Zulu kann, Zulu sprechen.
Nach dem das äußerst schlagkräftige Argument, man könnte den Leuten ja nicht ansehen, welcher Ethnie sie angehören, mit der äußerst wahren These, in Johannesburg könnte jeder Schwarze Zulu totgeschlagen wurde und auch ein Gespräch mit Betty über die spielende Kinder nicht gelten gelassen wurde, kam es zum äußersten. Das dokumentierte Gespräch mit einem Fremden wurde Bestandteil des Abschlusstest. Bald schon war ich nicht mehr in der Lage mir begegnete Menschen mit dunkler Hautfarbe mit ‚Hi’ zu begrüßen, da mich das schlechte Gewissen quälte, nicht ‚Sawubona’ zu sagen. Zweimal war der Test aufgrund meiner kranken Mitschülerin verschoben wurden, 3 mal hatte ich Betty um Rat gefragt und als einziges Resultat konnte ich keinem Schwarzen mehr in die Augen sehen.
Was daran so schwer war, fragt ihr euch? Keine Ahnung; das zu wissen, hätte die Lösung des Problems bestimmt bedeutend einfacher gemacht. Aber habt ihr schon mal versucht einen Fremden in einer Sprache anzusprechen, in der ihr nicht mehr, als die Begrüßungsfloskeln, den Namen eures Vaters und euren WM-Tipp ausdrücken könnt? Hinzu kommt noch mein Trauma von Finnland, wo mir jedes Mal, wenn ich meine Finnisch-Kenntnisse vor mir ausbreitete, ohne mit der Wimper zu zucken auf Englisch geantwortet wurde. Ich hab heute noch Albträume von dieser englischsprachigen Hexe beim tamperischen Mc Donalds!
Also blieb mir nur übrig, etwas zu erfinden. Darin bin ich ja zeitweilig ganz gut, obwohl ich’s auf Zulu noch nicht ausprobiert hatte. Ich schuf ein raffiniertes, an Glaubwürdigkeit kaum zu übertreffendes Zulu-Dialog-Baby, das jetzt das Tageslicht erblickt, weil ich es euch einfach nicht vorenthalten will:
Ngihambile endoda futhi ngithe: “Sawubona. Unjani?” – Ich ging zu einem Mann und sagte “Hallo. Wie geht’s dir?”
Ubheke mina. – Er schaute mich an. (ich hab leider kein Wort für erschrocken, erstaunt, entsetzt oder irritiert gefunden)
Ngikhulume yena. – Ich sprach zu ihm (Wenn Gott Zulu könnte, kläng das jetzt ziemlich biblisch. Obwohl, Gott ist wahrscheinlich einer der wenigen die Zulu können – dazu möchte man schon allmächtig sein!)
“Ngifunda isiZulu futhi ngifunele ukukhuluma isiZulu” – “Ich lerne Zulu und ich muss Zulu sprechen.”
Uhleke futhi uthe yini. Angiqondanda. – Er lachte und sagte etwas. Ich verstand nicht.
Ngibuze: “Utheni?” – Ich fragte “Was hast du gesagt?”
Uthe: “It’s good that you learn Zulu” (Seht ihr, wie authentisch dieses Gespräch ist: nach 3 Sätzen ist man bei Englisch)
Bese ngibuze: “Uthandina iJohannesburg?” – Dann fragte ich: “Magst du Johannesburg?”
Uphendule: “Yebo, kodwa ngiphuma eMpumpalanga. Uthanda imvelo kakhulu.” – Er antwortete: Ja, aber ich komme aus Mpumpalanga. Ich mag die Natur sehr” (Eine sehr poetische Geschichte, nicht
)
Ngithe: “Ngiphuma eGermany. Ngithanda ikhaya lami njalo.” – Ich sagte: Ich komme aus Deutschland. Ich mag mein zu Hause auch.
Ubuze: “Wenzani eSouth Africa?” – Er fragte: Was machst du in Südafrika?
Ngiphendule: ” Ngisebenza e German School. Ngifunele ukuhamba lapho.” – Ich antwortete: Ich arbeite an der deutschen Schule. Da muss ich jetzt hingehen.
Hamba kahle!
Sala kahle!
100 Punkte für diesen echten Dialog J Auch der Rest des ‚Tests’ lief gut, doch damit nehme ich das vorläufige Ende der Erzählung schon vorweg.
Zwischen dem ersten Schock und dem glorreichen Abschluss lagen 2 Wochen, in denen mich Agnes und Julius ablenkten und ich mich als der dümmste Mensch dieses Planeten ansah (Zugegebenermaßen hielt ich mich mein Leben lang eher für begrenzt blöd, also zumindest im theoretischen Bereich – in der Praxis würde mein Vater mir wohl vehement widersprechen, da ich an einem verheerenden Nachmittag den Kreuzschlitzschraubenzieher nicht von einem … äh Schlitzschraubenzieher unterscheiden konnte). Jedenfalls ist Zulu, ob nun mit oder ohne Ablenkung, sehr viel schwerer zu durchschauen als Integralrechnung und Papas Werkstatt!
Außerdem gab es da noch die eher belustigte Bemerkung meiner Xhosa-Leherin und indischen Mitschülerin, sie hätten schon gemerkt, dass ICH kein Rassist wäre, nachdem ich zur Abwechslung mal wieder meinte, diese Tatsache kundtun zu müssen. Die beiden hatten sich über das (weiße) Personal der Sprachschule ausgelassen, das unsere Lehrerin wohl ganz über drangsalierte. Ich war währenddessen tief in die Possesivpronomonen der 1.Klasse versunken (wami, wakho, wakhe usw.), sodass ich nur den Satz hörte: “They’re all rascists” – “Not me” (hab ich von den Kindern gelernt: Wer hat Daniellis Spielzeug weggenommen – Not me!; Wer hat das Bad überflutet – Not me!; Wessen Jacke ist das – Not me!) – “Yeah, we noticed that” Da war ich vielleicht stolz, nachdem mir doch am 1. Abend suggeriert wurde, dass ich jetzt schon seit ci. 30 Wochen Rassist sein müsste und mir vom lieben Rainer schon zwanzigmal das Gehirn vergiftet wurde, wie es Greg so hübsch ausdrückt.
Aber ich komm schon wieder vom Thema hab. Eines schönen Abends hatten wir nämlich die Unterrichtseinheit ‚Zulufying’ – danach war die Welt wieder unkompliziert und schön. Wenn man ein Wort nicht weiß, was bei einem Wortschatzvolumen von 20 ziemlich wahrscheinlich ist, nimmt man sich einfach das Englische und fügt nach Belieben Zulu- Pre- und Suffixe an. iPolitician ist der Politiker und amaPolitician sind die Politiker. Ist das nicht genial! Es ist in jedem Fall ein belebendes Element in den soundso schon 10Sprachen-pro-Satz Konversationen zwischen den Johannesburgern. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, worin dann das Existenzrecht von der Sprache ‚Zulu’ begründet liegt. Also erstens sollten man bei diesem Kritikpunkt erstmal bei Afrikaans ansetzten, das klingt nämlich echt kacke, und außerdem spricht ja der liebe Gott Zulu und der hat’s wahrscheinlich auf seine Weltkulturerbe Liste gesetzt, auf der übrigens auch noch das Dresdner Elbufer zu finden ist, da bin ich ganz sicherJ
Zu guter Letzt stellte sich noch heraus, dass unsere Lehrerin eine angehende Sangoma war. Sangomas sind die traditionellen Heiler, die bei Sorgen, Nöten und Schnupfen die Ahnen heraufbeschwören und sie fragen, ob das so sein muss – ‚Ja,klar’ – und ob sie gewillt sind was dagegen zu machen – ‚Mal gucken’. Den einzigen Sangoma, den ich zuvor getroffen hatte, schien ein ganz dicke Zigarette bei dieser Aufgabe zu helfen und sein Lehrling erzählte uns, dass ihn die Vorfahren sogar dazu zwängen Dagga (Mariuhana) zu rauchen. Meine Lehrerin hab ich nie zugekifft erlebt, dafür hab ich ordentlich eins hinter die Ohren gekriegt hab, als ich in einem schwachen Moment das Wort ‚some kind of magic’ mit der Heilertätigkeit in Verbindung brachte…
Als Sahnehäubschen des Kurses haben wir dann tatsächlich noch ein bisschen handfeste Grammatik gepaukt. Das fand ich toll, aber nach spätestens dem 5. Ausdruck voller Silben, die jeweils zu einer Klasse (es gibt 13) und einer grammatischen Funktion gehören, war meine Begeisterung verflogen. Aber das macht nichts. Mit Zulufying und ein bisschen intelligentem Raten (nennen wir es Sprachgefühl) kann ich ja alles sagen, was zu sagen ist:
iGermany lizophumeleli nge-Worlcup. – Deutschland wird die Weltmeisterschaft gewinnen.
Mai 2, 2010 um 3:50 pm |
Der geplante und meinerseits auch schon finanzierte Elementary-Kurs scheint leider auszufallen, da die rassistische Sprachschule offenbar die auch ein bisschen rassistische Lehrerin verkrault hat. Mir wurde vorgeschlagen, den Beginners-Kurs nochmal zu machen… Lachhaft, als ob ich das nötig hätte!!!
Mai 3, 2010 um 4:38 am |
Gratulation!
Obwohl unser Urlaub dich völlig zurückgeworfen hat kannst du schon mehr Zulu als ich je in Schwedisch zusammengebracht hätte.
Es scheint dir also gut zu gehen, sehr schön! Wir können ja leider nicht so oft telefonieren. Aber wenn es in Workuta eine Poststation gibt, schreib ich dir mal eine Karte von der anderen Seite der Erde!
Ich wünsche dir eine schöne Woche. Grüße Mitbewohner, Chefin und Kinder ganz herzlich!
Agnes
PS Wir haben 350 Urlaubsbilder entwickelt…
Mai 4, 2010 um 1:27 pm |
Hey Elliinjoburg
Shalom aus dem schönem Jerusalem:)
Ich hab gearde Mittagspause und hab deinen blog gelesen – dir scheint es gut zu gehen. Das freut mich.
ich schreib dir bald mal ne Mail:)
sei lieb gegrüßt aus dem heiligen Land
die Flo